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[ Astrologisches Online-Seminar ]
1. Lektion: Grundgedanken und Themen der Humanistischen Astrologie.
Inhalt dieser Lektion:
Die Astrologie hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Trotz aller Aufklärung sind auch heute noch viele Menschen davon überzeugt, daß unser Leben und unser Schicksal in irgend einer Weise mit den Sternen verbunden sind. Die Formen, in denen diese Zusammenhänge in das jeweilige Weltbild einbezogen sind, reichen von der fatalistischen Schicksalsgläubigkeit (‚Die Sterne lenken unser Schicksal') bis hin zu der offenen Einstellung, daß wir (unbewußt) in kosmische Zyklen und Rhythmen eingebunden sind.
Vom Sternglauben zur psychologischen Astrologie
In frühen Kulturen (zum Beispiel der Sumerer im 4. Jahrtausend v.Chr.) sahen die Menschen, die sich damals viel stärker als wir Heutigen durch natürliche Abläufe bestimmt fühlten, in einzelnen Sternen übermächtige Wesen, Götter und Dämonen. In ihrem mythisch-animistischen Denken und Weltbild versuchten sie zu verstehen, was uns die Götter durch bestimmte kosmische Ereignisse (Omen) mitteilen wollten. Zeit war im Erleben der Menschen in frühen Kulturen kein abstrakter und quantitativer Begriff. Sie erlebten vielmehr Zeit und zwar in Abschnitten, die qualitativ verschiedenartig waren - und sie erlebten sich selbst als eingebunden in diese Veränderungen mit bestimmten Zeiträumen und Zeitpunkten.
Wichtig war dabei auch die Erfahrung der zyklischen Wiederkehr bestimmter Abläufe und Ereignisse. - Vor allem als die Menschen seßhafte Ackerbauern wurden, wurde der astronomisch begründete Kalender, der sich aus der Beobachtung dieser ständigen und geregelten Wiederkehr entwickelte, als Versuch einer geordneten Zeitrechnung nötig. In Ägypten und China, bei den Azteken und Mayas entstand die Deutung der Zeiten (u.a. auch mit dem Mondkalender) als Vorstufe einer Astrologie schon früh als eine geheime Priesterwissenschaft. Die Planeten gaben durch ihre wechselnden Konstellationen Zeichen, die zu deuten waren. Hinter ihnen wurden Sterngötter gesehen, deren Kräfte in diesen Gestirnen zum Vorschein kamen.
Vermutlich war zunächst der Mond das wichtigste Gestirn, da auch seine Auswirkungen mit raschem Wechsel am deutlichsten spürbar waren. Wichtig war für die Menschen damals alles, was überraschend kam und den Gleichlauf der Tage unterbrach. Omen waren also oft die Zeichen, die den regelhaften Verlauf als Ausnahmen unterbrachen (zum Beispiel besondere Konstellationen, aber auch Finsternisse etc.), von denen man zu wissen glaubte, sie kündigten eine Veränderung an. - Bei den seßhaft gewordenen Menschen in Ackerbaukulturen, waren dagegen die gleichbleibenden Abläufe, die auch im Bild der Gestirnbahnen sichtbar wurden und zur Schaffung des Kalenders führten wichtiger und so übernahm bei ihnen die Sonne die Funktion des wichtigsten Gestirns.
Erst in der hellenistischen Astrologie kam es im 4. Jahrhundert v.Chr. zu einem systematisch neu geordneten astrologischen Weltbild, in das orientalische Astrallehren, ägyptische Tempelweisheit, babylonische Sternforschung, griechische Mathematik und Naturphilosophie Eingang fanden. - Grundlage des Maßsystems wurde der zwölfgeteilte Kreis, der einerseits den Tag mit seinen zwölf gleichlangen Doppelstunden darstellt und andererseits den Himmelskreis als Abbild als Abbild des Jahres mit seinen zwölf Monaten mit je 30 Tagen. Jetzt war es auch möglich, die Stellung von Sonne, Mond und Planeten vorauszuberechnen. Die Elemente des Horoskops waren damit festgelegt: die Planeten, der Tierkreis mit den zwölf Zeichen, die zwölf Himmelshäuser und die Stellung der Planeten zueinander. Die Planeten selbst wurden in dieser Zeit bestimmten Göttern zugeordnet.
Nach unserem heutigen Verständnis stellen diese Gestalten, nach denen die Planeten benannt wurden, Urbilder oder Archetypen als "symbolische Ausdrücke für das innere, unbewußte Drama der Seele" dar (C.G.Jung), die als unbewußte Projektion in bestimmte Sterne hineingelegt wurden. Diese "Planetengötter" sind eigentlich in uns, sind also hinausverlegte Gebilde unserer Seele. Paracelsus sagte klärend: "Es ist nicht der Saturn ober uns, es ist der Saturn in uns, der uns peinigt". Durch diese Entwicklung wurden die Planeten- und Tierkreisgestalten zu Zeichenträgern, die von sich aus weder etwas bewirken noch etwas anzeigen können. - Die technische Entwicklung der Astrologie und die Grundlagen der astrologischen Deutung haben sich dann weiter gewandelt und tun es immer noch. Diese Entwicklung ist nach vorne offen, denn jede Epoche muß sich ihr eigenes Verständnis der astrologischen Bedeutung neu schaffen.
Die Suche nach ‚der Wirklichkeit'
Nachdem die Astrologie während der Renaissance noch einmal an Bedeutung gewonnen hatte, wurden Astronomie und Astrologie durch die Entwicklung des naturwissenschaftlichen Denkens völlig voneinander geschieden, obwohl bereits klar war, daß sich die Astrologie nicht mit Sternen, d.h. also nicht mit den Erfahrungen des ‚Draußen' befasste, sondern mit Aussagen über das ‚Drinnen'. Die ereignisorientierte (Vulgär-) Astrologie - zum Beispiel in der Form vieler Zeitschriftenhoroskope - behielt allerdings mit ihren Vorhersagen ihre Bedeutung und hat sie bis heute noch.
Wir stoßen hier auf eine ganz grundlegende Frage: Was ist die Wirklichkeit? - Um zu einer wenigstens annähernden Antwort zu kommen, müssen wir kurz auf unsere eigene Entwicklung zurückschauen: Als Kinder lernen wir in einem langen Entwicklungsprozeß, unsere Welt zu verstehen, indem wir mit den Dingen umgehen, sie be - greifen, ihnen Namen geben, Zusammenhänge und Beziehungen erfassen etc.Was wir damit im Umgang und in der Auseinandersetzung mit den ‚Sachen' zunächst kennen und handhaben lernen, sind die realen Gegebenheiten und Phänomene unserer Welt, die wir wahrnehmen und erkennen können. Erst später wird uns klar, daß dies nicht einfach ‚die Wirklichkeit' ist, sondern daß wir nur die Erscheinungen dieser Wirklichkeit - und zwar subjektiv - wahrnehmen. Daraus entstand bereits in frühen Kulturen die Meinung (und dieser Prozeß spielt sich in der Entwicklung des Einzelnen immer wieder neu ab), daß die Wirklichkeit hinter den Dingen stehe oder auch, daß sie in den Dingen nur in Erscheinung trete und so für uns unfaßbar sei.
Der Begriff ‚Realität' wird vom lat. ‚res' abgeleitet und meint die Sache, das Gegebene, das Verwirklichte. Realität zeigt sich also in ‚Tat-Sachen' (= res facti = matter of fact). - Der Begriff ‚Wirklichkeit' dagegen geht zurück auf ‚wirkelich' und das bedeutet tätig, wirksam, wirkend und hängt zusammen mit ‚Werk' (verwandt mit griech. ‚ergon'), d.h. Arbeit, Energie oder in einer noch früheren Bedeutung mit ‚Flechten', also mit Flechtwerk, mit dem Gewirkten. - Wirklichkeit meint also die Energie, die etwas schafft, wirkt, zusammenflicht, gestaltet - und die damit in Erscheinung tritt.
Wenn wir also - um es anschaulich darzustellen - einen Menschen kennen lernen, so erleben wir ihn zunächst über seine Erscheinung und sein Handeln, danach vielleicht umfassender durch seine Situation, seine Position in der Gesellschaft, durch seinen Lebensraum und vielleicht durch seine Aussagen über sich selbst, sein Denken und Fühlen, seine Pläne und Wünsche. - Wenn wir ihn aber aus der Tiefe seiner Individualität heraus und in einem größeren Gesamtzusammenhang verstehen wollen, müssen wir ihn von seinem Wesen her erfahren, d.h. von seinen Grundenergien und Grundbedürfnissen (Zielen, Motiven) her, - um zu verstehen, wie er gemeint ist.
Astrologie und moderne Naturwissenschaft
In den letzten Jahrzehnten sind neue wissenschaftliche Ansätze entwickelt worden, die zu neuen Prinzipien und Perspektiven beim Thema ‚Das Ganze und seine Beziehung zu den Teilen' geführt hat: der holonome Ansatz, der davon ausgeht, daß das Ganze in jedem seiner Teile enthalten ist (vgl. die Arbeiten von F. Capra und S. Grof).
D. Bohm "stellt die Realität im allgemeinen und das Bewußtsein im besonderen als ein ungebrochenes und zusammenhängendes Ganzes dar, das sich in einem niemals endenden Prozeß der Veränderung befindet, den er ‚holomovement' (wörtlich: Ganzbewegung) nennt. Die Welt ist in einem ständigen Fluß, und stabile Strukturen jeglicher Art sind nichts anderes als Abstraktionen. Jedes beschreibbare Objekt, jede Einheit oder jedes Ereignis leiten sich von einem undefinierbaren und unbekannten Ganzen ab" (Grof 1995, S. 92).
Das Ganze (z.B. das Universum oder der Mensch) besteht also nicht aus Substanz und mechanischer Interaktion, sondern aus vibrierenden Mustern, durch deren Interferenz Information entsteht. - Die Welt, die wir (auch durch wissenschaftliche Instrumente) wahrnehmen, ist nur ein Bruchstück oder Aspekt der Wirklichkeit, nämlich die entfaltete, bezw. ausgefaltete Ordnung. Diese stellt aber eine Sonderform dar, die nach D. Bohm in einer umfassenderen Existenzform enthalten ist und aus ihr hervorgeht.
"Diese wird als eingefaltete potentielle (implicate) Ordnung bezeichnet. In dieser impliziten Ordnung sind Raum und Zeit nicht mehr die maßgeblichen Faktoren, die die Abhängigkeitsbeziehungen zwischen verschiedenen Elementen bezw. ihre Unabhängigkeit bestimmen. Verschiedene Aspekte der Existenz stehen in einem sinnvollen Zusammenhang mit dem Ganzen und sind nicht einfach isolierte Bausteine, sondern erfüllen bestimmte Funktionen im Hinblick auf einen Endzweck" (Grof 1995, S. 92).
Die Betrachtungsweise der Astrologie, die wir vertreten, läßt sich direkt mit diesen Gedanken vereinbaren, steht also nicht im Gegensatz zum Wirklichkeitsverständnis der modernen Naturwissenschaft.
Psychologische Astrologie
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es durch die Entwicklung von Psychologie und Psychoanalyse zu einer grundsätzlichen Revision der Deutungsprinzipien und - Methoden: Die deterministische Sicht trat zurück, Entwicklungsprozesse dafür stärker in den Vordergrund und das führte bei vielen Astrologen auf der Grundlage eines ganzheitlichen Menschenbildes zu einer offenen, wachstumsorientierten, letztlich psychologischen und pädagogischen Horoskop-Interpretation.
Hier geht es also nicht mehr um Ereignisdeutung, sondern darum, dass die Person in ihrer Ganzheit als psychobiologische Einheit gesehen wird. Die Strukturen dieser individuellen Persönlichkeit, die im Kosmogramm gesehen werden können sind aber nicht festgelegt. Wir deuten vielmehr die Planeten etc. als Symbole für innere Wesenskräfte eines Menschen. Und dabei geht es dann vor allem um die Aufgabe, die Form, Bedeutung, Wirkung und den Ausdruck dieser inneren Kräfte durch die für dieses Individuum stimmenden Analogien zu erfassen, - was am klarsten durch ein intensives persönliches Gespräch geleistet werden kann. Wir suchen die ganz persönlich-individuelle Antwort auf die Frage: ‚Wie erlebt und lebt dieser Mensch die in ihm angelegten Kräfte und Möglichkeiten, aber auch die sich ergebenden Spannungen in seiner Lebenssituation (auf dem Hintergrund auch seiner Biographie)?'
Erst daraus kann sich dann eine Beratung ergeben, bei der wir gemeinsam überlegen können, wie der/die Betroffene sich selbst in seinem Sosein akzeptieren und seine Kräfte in dieser oder in anderer Form leben kann, bezw. wie ihm/ihr die Umsetzung in den Lebensalltag besser gelingen könnte. - Im Grunde sprechen wir also nicht über Gestirne, sondern über die durch sie astrologisch repräsentierten Analogien, - wir sprechen über Menschen. Und wir können so die oben erwähnte Frage differenzieren: Duch unser Kosmogramm werden wir konfrontiert mit der Urfrage ‚Wer bin ich?' und darüber hinausgehend mit der Frage ‚Was mache ich aus dem, was in mir angelegt ist und aus dem, was auf meinem bisherigen Lebensweg daraus geworden ist?'.
Die Humanistische Astrologie, die wir vertreten, ist also psychologische Astrologie, allerdings mit enger Beziehung zu den Grundgedanken der Humanistischen Psychologie. Sie geht in ihrem zugrundliegenden positiven Menschenbild davon aus,
- dass der Mensch als ganzheitliche Person in seiner Welt lebt und erlebt (also als Leib-Seele-Geist-Einheit),
- dass er zielgerichtet, wert- und sinnorientiert leben will,
- dass er nach Bewusstheit seines Lebens und Erlebens strebt,
- dass er - wenn er bei sich ist - kein passiver Spielball innerer oder äusserer Impulse ist, sondern in der Lage, zu wählen und zu entscheiden,
- und schliesslich, dass sich menschliches Existieren als ‚In-der-Welt-Sein' vollzieht und an zwischenmenschliche Beziehungen gebunden ist.
Wir hoffen, wir konnten durch diese sehr komprimierte Darstellung eine kurze Einführung in die wesentlichen Grundgedanken der Humanistischen Astrologie geben. - Wir werden versuchen, im folgenden Kapitel auf die Symbolsprache der Astrologie - also auf die astrologischen Symbole und ihre Entsprechungen - einzugehen, um dann immer mehr zu den wichtigesten Einzelthemen zu kommen.
Es ist klar, daß dieser Onlinekurs nicht den gleichen Umfang und die gleiche Intensität haben kann wie ein Einführungskurs, den Sie persönlich besuchen und der (bei uns) drei Wochenenden umfaßt. Hier können wir nur versuchen, die wichtigsten Grundgedanken der astrologischen Arbeit kurz und thesenartig zusammenzustellen, um Ihnen einen Überblick zu geben. Wenn Sie Fragen zu den Texten haben, schicken Sie uns bitte eine eMail; wir werden dann so rasch wie möglich antworte, evtl. auch öffentlich, wenn die Frage von allgemeinem Interesse ist. Bei vielen Themen werden wir Ihnen auch weiterführende und vertiefende Literatur angeben, so daß Sie selbst sich weiter informieren können.
Wenn Sie Fragen oder Kommentare zu dieser Lektion haben, so können Sie diese in dem speziell von uns eingerichteten Diskussionsforum "Online-Seminar" stellen und wir werden diese für alle nachlesbar für Sie beantworten:
=> zum Diskussionsforum "Online-Seminar"
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